Fotografische Illustration zum Tagebuch von 1777

Erstaunlich, "daß die vornemste Einwohner der Stadt, sowohl männlich als weiblichen Geschlächts, ungeniret sich mit denselben [Wilden] in Disscurs einlaßen und solchen im Geringsten auch nicht für einen Fehler der Wohlanständigkeit estimiren." (Kircher)

Wie passend die Darstellungen bei der "Zeitreise ins 18. Jahrhundert" in Eichenzell sind, verdeutlicht die Kombination eines zufällig gemachten Fotos unseres Hausfotografen Kersten Kircher. Es illustriert unbeabsichtigt einen Tagebucheintrag des Hanauischen Jägers Philipp Jakob Hildebrandt, der in den Jahren 1777 bis 1781 auf britischer Seite am amerikanischen Unabhängigkeitskrieg teilnahm. „Unter Canadiensern, Irokesen und Rebellen“ heißt das Buch, das die Marburger Historiker Professor Dr. Holger Gräf und Lena Haunert vorgelegt haben.

Abenteuerliche Erlebnisse im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg und persönliche Eindrücke von Land und Leuten stehen im Zentrum des Tagebuchs eines hessischen Kriegsteilnehmers, das die Marburger Historiker im vergangenen Jahr erstmals in einer wissenschaftlichen Edition der Öffentlichkeit zugänglich gemacht haben. Die Aufzeichnungen des Philipp Jakob Hildebrandt (1733-1783) entstanden während seines Einsatzes mit den Hessen-Hanauer Jägern.

Ungenierter Diskurs mit den Wilden

Nun zum Zitat, das zur Illustration  passt. Hildebrandt schreibt im Juni 1777 über folgende Beobachtung in der Stadt Québec:

"Zum Erstaunen ist es vor einen Europeaer - maßen diese Wilden gleich aller übrigen Wilden, besonders die Männer, von Kopf bis Fuß nackent und nichts weiteresals zur Bedeckung ihrer Schaam zwey wollene tücherne Schützen hinden und fornen vorgebunden, die Weiber hingegen eine  wollene Decke um sich geschlagen einhergehen -, daß die vornemste Einwohner der Stadt, sowohl männlich als weiblichen Geschlächts, ungeniret sich mit denselben in Disscurs einlaßen und solchen im Geringsten auch nicht für einen Fehler der Wohlanständigkeit estimiren." 

Dr. Holger Gräf hatte die Aufzeichnungen vor einigen Jahren in einem privaten Nachlass entdeckt. Das Tagebuch ist in verschiedener Hinsicht bedeutend: Hildebrandt schiledert seine ganz persönlichen Eindrücke von Land und Leuten ebenso wie die Erlebnisse während der Kampfhandlungen und die Tristesse in den monatelangen Winterquartieren. Einzigartig ist der Bericht Hildebrandts über die Beteiligung der Hessen-Hanauer an der  Expedition des britischen Brigadegenerals Barry St. Leger und der Belagerung des Fort Stanwix im August 1777, deren Scheitern wiederum als eine Voraussetzung für den amerikanischen Erfolg bei Saratoga und damit für die militärische Wende des Krieges gilt. 

Holger Gräf, Lena Haunert (Hg.): Unter Canadiensern, Irokesen und Rebellen. Das Tagebuch des Hessen-Hanauer Jägers Philipp Jakob Hildebrandt aus den Jahren 1777-1781 (=Untersuchungen und Materialien zur Verfassungs- und Landesgeschichte 29), Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde 2011, ISBN 978-3921254790, 180 Seiten, 19,80 EuroHolger Gräf, Lena Haunert (Hg.): Unter Canadiensern, Irokesen und Rebellen. Das Tagebuch des Hessen-Hanauer Jägers Philipp Jakob Hildebrandt aus den Jahren 1777-1781 (=Untersuchungen und Materialien zur Verfassungs- und Landesgeschichte 29), Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde 2011, ISBN 978-3921254790, 180 Seiten, 19,80 Euro

Ansprechpartner: Professor Dr. Holger Gräf,
Fachgebiet Frühe Neuzeit
Tel.: 06421 28-24579
E-Mail: graef@staff.uni-marburg.de

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