Tanzen wie damals im Barock

Konzentration unter einem Kristall-Lüster und unter den Bildern von Landgrafen und Prinzessinnen des Hauses Hessen: Mitglieder der Gesellschaft bei der ersten Tanzwerkstatt im Darmstädter Schloss.

Unter den Augen von Landgrafen und Prinzessinnen aus dem Hause Hessen-Darmstadt haben Mitglieder der Gesellschaft für hessische Militär- und Zivilgeschichte am Samstag, den 25. Januar, im Saal des Darmstädter Schlosses Tanzen gelernt wie zu Zeiten der Landgrafen Ludwig VIII. und Ludwig IX.. Unter Anleitung unseres Tanzmeisters Christian Griesbeck aus Frankfurt machten sechs Paare die ersten Tanzschritte auf dem Parkett, nicht ohne vorher eine fundierte Einführung in den historischen Kontext bekommen zu haben.  

Tänze aus England - Country Dances

Im "Recueil des Contredances" von 1706 sind viele Tänze eindeutig beschrieben. Es gibt nicht nur die Textliche Führung, sondern auch Zeichnungen, die beschreiben, wie und in welche Richtung sich die Tänzerinnen und Tänzer zu bewegen haben.

Christian Griesbeck klärte über die Unterschiede von Tänzen aus der Renaissance und aus dem Barock auf und zitierte aus einem der wichtigsten umfassenden Werke zur Tanzkunst, dem zwischen 1651 und 1728 in England publizierten "Dancing Master" der mehr als 1000 Tänze dokumentierte. Ab 1684 gelangten verschiedene, in England bereits modere Tänze nach Frankreich und später in andere Teile des Festlands. Getanzt wurden so genannte Longways, auch Country Dances genannt. Diese waren mitnichten Tänze für die einfache Landbevölkerung, wie der Name heute vermuten lässt. Es handelte sich aber bei der Namensgebung nur um den Hinweis, dass der Tanz aus dem eigenen Land (England) stammt - allerdings wohl zumeist von den besseren Leuten getanz wurde.  

Von der Reverence zum Pas de bourée

Christian Griesbeck dirigiert seine Tanz-Eleven über das Parkett.

Die Praxis erwies sich als erlernbar, wenn auch die Abfolgen der Schritte und Wege einige Anforderungen an die Merkfähigkeit stellte. So lernten die Teilnehmer, wie man seinem Tanzpartner und dem Gastgeber die Reverence macht, und übten zunächst die gebräuchlichsten Schritte wie den pas des bourée und den pas de gavote.

Die „englischen Tänze“, bei denen eine Männerreihe einer Frauenreihe gegenüber steht, sind die häufigste Raumform, die man auf Barock- und Rokokobällen findet. In der ersten Tanz-Werkstatt schafften der Tanzmeister und seine Lehrlinge drei frühe Tänze, aus Playford 1651, Bray 1699 und Feuillet 1706.

„La Hessoise" und andere Gassentänze

Die Kristall-Lüster im Tanzsaal.

Nach vier Stunden war mit viel Spaß schon einiges gelernt. Anders als zunächst geplant, wurde gleich für Anfang März (der genaue Termin wird noch bekanntgegeben) eine Fortsetzung der Tanzwerkstatt vereinbart. Weiter gehen soll es dann mit Tänzen aus Kontratanzquellen des 18. Jahrhunderts, die für den deutschsprachigen Raum nachgewiesen sind, wie der Tanz für den Darmstädter Hof, der der Tanzwerkstatt ihren Namen gibt. Hierbei lernen wir auch die dazugehörigen Barocktanzschritte und weitere Figuren, daneben werden wir uns auch etwas mit der einfachen Notation dieser Tänze beschäftigen. Unsere kleine Zeitreise endet im späten 18. Jahrhundert mit einem Kontratanz für den Dresdener Hof.

Die Tanzwerkstatt ist auch für Anfänger ohne Vorkenntnisse geeignet, eine Anmeldung unter vorstand@hessen-militär.de ist dringend erforderlich, muss aber nicht paarweise erfolgen (ggf. muss man dann „auf der anderen Seite“ tanzen). Tragt Kleidung, in der Ihr euch bewegen könnt und wohl fühlt. Es sind Schuhe mit Ledersohle empfohlen (Turnschuhe haben meist zu viel „Griff“ und erhöhen dadurch die Verletzungsgefahr). Die Teilnahme geschieht auf eigene Gefahr.

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