Leibgrenadiergarderegiment

Das Leibgrenadiergarderegiment Pirmasens war bis auf die Heraldik uniformgleich mit dem preußischen Regiment "Erbprinz von Hessen-Darmstadt", das die Regimentsnummer 12 trug. (Foto: Kersten Kircher)

Hessen-Darmstädtisches Leibgrenadiergarde-Regiment 
Preußisches Rgt. No. 12 "Erbprinz von Hessen-Darmstadt"

Im Jahre 1741 begann der hessen-darmstädtische Erbprinz und spätere Landgraf Ludwig IX. (1769 - 1790) mit der Errichtung des Leibgrenadiergarde- Regiments. Garnison für das schließlich auf ca. 2400 Mann angewachsene Regiment war Pirmasens. Nach mehreren anfänglichen Uniformwechseln erhielt die Truppe 1752 ihre bekannte Uniform, die sie bis zu ihrer Auflösung 1790 behielt. Parallel dazu nahm der Erbprinz preußische Dienste und erhielt von Friedrich dem Großen das Infanterie-Regiment No. 12 mit Garnison in Prenzlau, das er von 1743 - 1757 kommandierte und das an vielen wichtigen Schlachten des Siebenjährigen Krieges teilnahm. Dort führte er im Jahre 1752 die gleiche Uniform wie bei seinem hessischen Regiment ein, die er höchstselbst "interveniret" und die in ihrer Zeit Ausdruck höchster modischer Eleganz war. Sie wurde in Preußen bis 1786 unverändert getragen und unterschied sich nur durch landeshoheitliche Spezifika von ihrem hessen-darmstädtischen Pendant. Die Darstellungsgruppe befindet sich derzeit im Aufbau und hat in der zweiten Jahreshälfte 1999 als erste deutsche Gruppe preußische Grenadiere des Siebenjährigen Krieges gezeigt. 

Gruppenleiter

Leibgrenadiergarde-Regiment Pirmasens / Prß. Rgt. Erbprinz von Hessen-Darmstadt (No.12)
Michael Lorenz, Taunusstein 

Kontakt: rgt.erbprinz(ett)hessen-militaer.de

 

Hessisches Militär in Pirmasens

Landgraf Ludwig IX. von Hessen-Darmstadt


Ludwig IX., der erstmalig in der Geschichte große Uniformsammlungen zu Studienzwecken anlegen ließ und systematische Uniformierungsstudien betrieb bzw. betreiben ließ, darf getrost als Ahnherr der Heeres- und Uniformkundler bezeichnet werden, zählen doch die heute noch vor-handenen, allerdings kläglichen Reste seiner Sammlung wie das Buchsweiler Inventar zu den uniformkundlichen Primärquellen. Seine eigene militärische Karriere, während der er aktiv in französischen und preußischen, später nominell in österreichischen und russischen Diensten, stand, ist von eher geringem Interesse.

Macht und Schau

In der Mitte des 18. Jahrhunderts war das Militär als stehendes Heer organisiert und stand damit in Kriegs- und Friedenszeiten dem absolutistischen Herrscher jederzeit als Mittel zur Machtausübung und Repräsentation zur Verfügung. Wie bei den meisten Staaten des Ançien Regime bestand auch das hessen-darmstädtische Heer in der Masse aus geworbenen Söldnern. Aus ihnen rekrutierten sich die Linientruppen, von de-nen es gegen Ende der Regierungszeit Ludwigs IX vier Infanterie-Regimenter mit zusammen sechs Bataillonen gab, die Hälfte davon in Pirmasens stationiert („Leibgrenadiergarde-Regiment“ und ab 1777 das Regiment „Landgraf“).

Milizen zum Schutz

Daneben gab es noch ein Milizsystem zur Landesverteidigung, bestehend aus vier sogenannten Landbataillonen und dem „Alten Ausschuß“, das als Vorstufe der heutigen Wehrpflicht gelten kann. Da sich der Landgraf nur für die Infanterie inte-ressierte, gab es während seiner Regierungszeit außer einigen kleinen, zahlenmäßig unbedeutenden Reiter-Einheiten, darunter das Pirmasenser Leibhusarenkorps, keine Kavallerie. Er ließ ab 1741 in Pirmasens eine militärische Musterkolonie einrichten, die jedoch für die Betroffenen eher einem Gefangenenlager glich. Tag und Nacht bewacht, gelang trotzdem vielen die Flucht. Der eintönige Dienst bestand aus Exerzieren, Paradieren und Wachestehen und war in Reglements wie der „Pirmasenser Grenadier-Bibel“ von 1749 genauestens vorgeschrieben. Einen Teil der Dienstvorschriften und insbesondere die Uniformen, die als die schönsten ihrer Zeit galten, hatte der Landgraf selbst entworfen.

Niemals im Krieg

Die Pirmasenser Soldaten, rund 1600 Mann, fanden ebenso wie die übrigen hessen-darmstädtischen Truppen zu Zeiten Ludwigs IX. keinen militärischen Einsatz. Sie dienten als reine Paradetruppe, die sich auch bei den zahlreichen Besuchern aus dem Ausland höchster Wertschätzung erfreute. Anders als die Vettern in Hessen-Kassel und anderen deutschen Staaten lehnte der Landgraf als friedensliebender Heereskundler trotz seiner Geldnot das Ansinnen engli-scher Werber für einen Einsatz im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (1777-1784) katego-risch ab und schloß auch sonst keinerlei Subsidienverträge mit anderen Mächten - ganz im Gegensatz zu seinen Vorgängern und auch zu seinem Nachfolger, Landgraf Ludwig X.Das Leibgrenadiergarderegiment nach einer Zeichnung von Fritz Kredel

Ende nach dem Tod des Landgrafen

Mit dem Tode des Landgrafen 1790 waren auch die Tage der Pirmasenser Garnison gezählt, noch im selben Jahr wurde das Regiment „Landgraf“ ebenso wie alle noch verbliebenen Heeresgerätschaften nach Darmstadt verlegt. Die teilweise überalterten Grenadiere des „Leibgrenadier-garde-Regiments“ wurden größten Teils entlassen und aus dem Rest das „Hessen-Hanau-Lichtenbergische Grenadier-Bataillon“ zu 400 Mann formiert, das 1792 als „2. Leib-Grenadier-Bataillon“ ebenfalls nach Darmstadt abgezogen wurde.