Geschichte greifbar machen

"wie man ins Gewehr geht, oder antrit" Zeitgenössische Zeichnung zu Johann Conrad Müller, Der wohl exercirte preussische Soldat, oder vollständiges preussisches Manuale". Schaffhausen 1759

Hessische Geschichte aus dem 18. und frühen 19. Jahrhundert lebendig und anschaulich zu machen,das ist das Hauptziel der Gesellschaft für Hessische Militär- und Zivilgeschichte e.V. Die Gesellschaft nimmt damit eine Sonderstellung sowohl unter den etablierten Geschichtsvereinen, als auch unter den bloßen Reenactment-Gruppen ein. Die Recherchen zu den oft vernachlässigten oder gar falsch interpretierten Aspekten der hessischen Geschichte finden ihren Niederschlag nicht nur in regelmäßig publizierten Jahrbüchern und in Sonderheften, Ausstellungen, Vorträgen und Symposien, sondern hauptsächlich in der lebendigen Darstellung von historischen Figuren und Begebenheiten. In möglichst genau recherchierten und vorbildgetreu nachgearbeiteten Uniformen und Gewändern bieten Mitglieder der Gesellschaft Geschichte zum Anfassen und Erleben.

Recherchieren, rekonstruieren

 Schloss Fasanerie in Eichenzell bei FuldaEs ist gute Tradition der Gesellschaft für hessische Militär- und Zivilgeschichte e.V., die Ergebnisse 
ihrer Recherchearbeit ins ganze Hessenland zu tragen. Wichtigster Ort und Vereinssitz zugleich ist
das Schloss Fasanerie in Eichenzell bei Fulda, eines der schönsten Barockschlösser in Hessen. Dort wurde 1997 bei einem Treffen von deutschen und amerikanischen Hessen-Freunden und Reeenactors (englisch wörtlich: Wiederaufführer, sinngemäß: Historiendarsteller) auch der Grundstein für die Veranstaltungsreihe „Zeitreise ins 18. Jahrhundert“ gelegt, die seitdem jährlich Anfang August dort stattfindet. Die in Hessen einzigartige Veranstaltung bringt jeweils rund 500 ausgesuchte Geschichtsdarsteller aus Deutschland, dem europäischen Ausland und zuweilen auch aus den USA zusammen. Sie alle haben die Liebe zur Geschichte und zur authentischen, das heißt möglichst vorbildgetreuen Geschichtsdarstellung gemein. Die Zeitreise ins 18. Jahrhundert ist mittlerweile die größte und authentischste alljährliche Reenactment-Veranstaltung für die Zeit des Rokoko in ganz Europa. Tausende von Gästen strömen alljährlich zu der Veranstaltung im Hofgarten des Schlosses.  

Referieren, diskutieren

 Grundlage für die historisch fundierte Darstellung ist die wissenschaftliche Arbeit in Museen, Archiven und Sammlungen. Diese Arbeit wirkt auch fort in Ausstellungen und Vorträgen. Beispielhaft seien nur einige genannt, so die Ausstellung zum Thema „Militär in Hessen“ 1998 auf Schloss Fasanerie, weitere kleinere Beträge im Museum für hessische Volkskunde auf der Veste Otzberg im Odenwald, Vorführungen im Hessenpark oder auf Schloss Friedrichstein in Bad Wildungen mit den hessischen Jagd- und Militärsammlungen. Mitglieder halten Vorträge mit verschiedensten Themenstellungen nicht nur in Hessen, sondern selbst im Ausland, wie beispielsweise 2004 im „National Army Museum“ in London. Ein Symposium zum "Soldatenhandel der Landgrafen von Hessen-Kassel im 18. Jahrhundert" mit namhaften Fachleuten in Hanau-Wilhelmsbad brachte im Jahr 2003 auf beeindruckende Weise wissenschaftliche Theorie und praktische Darstellung in Einklang. 

Dokumentieren, publizieren

 Regelmäßig dokumentiert die Gesellschaft für hessische Militär- und Zivilgeschichte Teile ihrer Arbeit in Jahrbüchern. Jahrbücher, Sonderhefte GHMZ
Darin werden Abhandlungen aus dem Bereich der hessischen Landes- und Militärgeschichte ebenso veröffentlicht wie Beiträge über allgemeine Themen aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Mittlerweile hat die Gesellschaft auch drei uniformkundliche Sonderhefte verlegt, die sich mit den Uniformen der deutschen Kontingente im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg  beschäftigen - ein Thema übrigens, das wegen der starken Beteiligung hessischer Hilfstruppen von großer Bedeutung für die hessische Militärgeschichte ist. Im Jahr 2013 folgte ein Sonderheft mit Uniformtafeln von Fritz Kredel und vielen größtenteils erstmals veröffentlichte Datails über das darmstädtische Militär zur Zeit Landgraf Ludwig IX. in der Garnison Pirmasens beschäftigen.  

Interessieren, ausprobieren

Die Besonderheit an der Bildungsarbeit der Gesellschaft für hessische Militär- und Zivilgeschichte ist die Vereinigung von Theorie und Praxis. Die lebendige Darstellung von Geschichte kann dabei etwas leisten, was Bücher, Museen und Archive, Fernsehen und Internet nicht zustande bringen: Darsteller wie Betrachter können anfassen, fühlen, riechen, schmecken, erahnen und erleiden, was das Leben in einem anderen Jahrhundert bedeutete, wie der damalige Alltag aussah, welche Strapazen das Leben im Felde mit sich brachte und wie Soldaten nach alten Reglements an der Waffe gedrillt wurden.

Präsentieren, salutieren

Die Gesellschaft für hessische Militär- und Zivilgeschichte unterhält außerdem Kontakte zur Bundeswehr, zum Landeskommando Hessen der Bundeswehr, zu Reservistenkameradschaften und zur Kameradschaft des ehemaligen großherzoglich hessischen Infanterieregiments Nr. 115 in Darmstadt. Zusammen mit letzterem pflegen Mitglieder der Gesellschaft die Tradition des ältesten deutschen Regiments, dessen Geschichte bis  1621 zurück reicht. Alljährlich am Volkstrauertag kommen Mitglieder und Freunde am Ehrenmal der Leibgarde am Darmstädter Schloss zusammen.

Bei verschiedenen Veranstaltungen der Bundeswehr in Neustadt, Stadtallendorf, Schwalmstadt, Homberg/Efze, Hammelburg, Kassel  und Wiesbaden stellten Darsteller der Gesellschaft Ehrenwachen und übernahmen repräsentative Aufgaben, so unter anderem bei einem Heimkehrerapell der mittlerweile aufgelösten Panzerbrigade 14 "Hessischer Löwe" in Neustadt, bei dem Hessens damaliger Ministerpräsident Roland Koch (CDU) die aus Afghanistan zurückgekehrten Soldaten empfing. Außerdem bei der  Kommandoübergabe des Landeskommandos Hessen auf Schloss Biebrich in Wiesbaden, bei einem feierlichen Rekrutengelöbnis vor Schloss Wilhelmshöhe in Kassel und beim Bonland-Fest und einem Jahresempfang der Infanterieschule der Bundeswehr in Hammelburg.